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Warum seid ihr eine GmbH?

Eigentlich wollten wir von Anfang an eine Genossenschaft gründen. Aufgrund verschiedener Beratungen, entschieden wir uns zunächst für die Rechtsform der GmbH. Einen detaillierteren Einblick in Ablauf und Hintergründe dazu bietet einer unserer ersten Blogeinträge. Vermutlich noch 2020 wird aus der GmbH dann eine Genossenschaft. Jene Rechtsform drückt unser Anliegen am besten aus: Gemeinwohlorientiert zu handeln ohne Absicht auf Bereicherung oder Gewinnerzielung für Privatpersonen und unter Mitwirkung aller in der bunten butze agierenden Menschen.

Was bedeutet für euch "sozialer Besitz"?

Die GmbH verfolgt – das haben wir im Blogeintrag zur GmbH Gründung schon ausgeführt – vor allem gemeinwohlorientierte, altruistische Zwecke. Wir wollen dem Stadtviertel Wohn- und Arbeitsraum langfristig zu verträglichen Konditionen erhalten. Die bunte butze stand teilweise seit 10 Jahren leer – auf einer Seite des Hauses fehlen wesentliche Einbauten wie Heizungen, sind Rohrleitungen sehr alt, bröckelt der Putz. Im anderen Hausteil wurden die Wohnflächen lange Zeit gewerblich genutzt (ein Architekt lagerte Archivalien, eine Steuerberatung nutzte Büros) und dann ohne große Umbauten untervermietet. In diesem Teil des Hauses besteht der Innenausbaucharme (Achtung Ironie) vor allem aus Neonröhren, stümperhaft verlegtem PVC-Boden auf Fliesen und zusätzlich eingebauten Duschkabinen. Es ist fraglich, wie lange die bunte butze hätte weiter betrieben werden können, ohne intensive bauliche Maßnahmen vorzunehmen. Und selbst dann hätte das Haus “Wohnlichkeit”, “ökologische Verträglichkeit” oder “XXXXXXXXXX” nicht zu seinen Kennzeichen zählen dürfen. Der butzeKern nun ist angetreten, um erstens sicherzustellen, dass die bunte butze eben nicht zu Luxusappartements saniert wird und durch die Umlage der Kosten für die Einbauten eben doch der Durchschnittspreis pro Quadratmeter im Viertel steigt. Auch wollten wir zweitens verhindern, dass das Gebäude mittelfristig abgerissen werden muss und damit dann eine Infrastruktur verschwunden wäre, die doch bereits schon über 100 Jahre Bestand hat. Und zuletzt, drittens, kann die bunte butze eine Vorbildfunktion haben. Wir wollen zeigen, dass eine kleine Gruppe Menschen ohne besonderes Eigenkapital, ein Haus kaufen, sanieren, erhalten kann – dass also Verantwortung übernehmen einen Gewinn darstellt und eine Annäherung an Ideale möglich ist.

Seid ihr Teil von Gentrifizierung?

Ja, na klar. Die Frage ist doch – welchen Einfluss nehmen wir mit der bunten butze auf den Prozess von Gentrifizierung? Die Bundeszentrale für politische Bildung – durchaus bekannt für ihre differenzierten und tagesaktuellen Dossiers – schreibt zu Gentrifizierung unter anderem folgende Stichworte:

Installiert wurde der Begriff in den 1980ern, um die “ökonomische Aufwertung von Grundstücken und Immobilien in Armutsquartieren” zu beschreiben. Damit bedeutete Gentrifizierung oft zugleich eine “Verdrängung einkommensschwächerer Haushalte durch wohlhabendere Haushalte in innerstädtischen Quartieren [und] somit einen wichtigen Aspekt der Auswirkung sozialer Ungleichheit auf den Wohnungsmärkten.”

Das Hausprojekt bunte butze ist Teil eines solchen Prozesses, ja. Der butzeKern kauft eine Immobilie, die ohne Investition nicht weiter bestehen kann und investiert, um die Bausubstanz zu erhalten und (im Sinne nachhaltig ökologischer Hausbewirtschaftung) zu verbessern. Ob Stadtfeld Ost jemals wirklich ein “Armutsquartier” war, ist für uns nicht nachvollziehbar. Klar ist, dass die ehemalige Wilhelmstadt in den 1990er Jahren an Einwohnenden verlor, bis 2004 aber wieder gewann und Stadtfeld Ost zum einwohnerstärksten Stadtteil Magdeburgs machte. In diesem Zeitraum auch wurden Sanierungen und Privatisierungen eine regelmäßige Erfahrung im Viertel. Weiter beschreibt das Dossier den Vorgang der Verdrängung – explizit zu Lasten der einkommensschwächeren Haushalte. Ja, auch das bunte butze Projekt wird verdrängen, denn der letzte aktuelle Mieter wird ausziehen müssen. Nicht allerdings geschieht dies zugunsten einkommensstärkerer Haushalte, sondern es ist erklärtes Ziel und Anliegen der bunten butze, langfristig sozial verträglichen Wohnraum zu erhalten und zugleich saniert und nachhaltig ausgestattet anbieten zu können. Heißt es also später weiter im Dossier: “Gentrifizierung geht auf einen Anstieg der Mieten und Eigentumswerte sowie, verzögert, der Grundstückspreise zurück” – dann distanziert sich der butzeKern explizit von diesem Aspekt von Gentrifizierung und kann durch Gesellschaftervertrag, Veröffentlichungen, Inhalte der Projektarbeit belegen, dass wir eben genau diesen Anstieg der Preise verhindern wollen. Sicherlich werden nicht alle Mieten sofort besonders günstig sein können, weil wir sonst nicht die Bedingungen des Hauskredits erfüllen können. Mittel- und Langfristig aber, spätestens wenn der Bankkredit abbezahlt ist, kann die bunte butze zu Mieten unter Durchschnittsmietniveau zurückkehren.

Warum muss der Frisör ausziehen?

Wie schon in der Frage zur Gentrifizierung beantwortet, muss sich das Projekt bunte butze einen Teil des Schuhs “Gentrifizierung” anziehen. Nicht aber in Gänze. Während Gentrifizierung oft mit Aufwertung und dadurch begründeten erhöhten Mieten und höheren Gewinnen für Einzelne einhergeht, arbeitet die bunte butze genau dagegen. Indes bleibt der Aspekt der Verdrängung. Diesen Vorwurf kann die bunte butze nicht einfach vom Tisch wischen – es stimmt, der derzeit letzte Mieter im Haus wird (voraussichtlich) bis Ende des Jahres 2020 oder Beginn des Frühlings 2021 ausziehen müssen. Es war jedoch keinesfalls unsere Absicht, ein Gewerbe von seinem Standort zu verdrängen aus Gründen privatem Interesses. Ausgelöst durch eine Fehlinformation oder vielleicht auch Misskommunikation zu Beginn der Hauskaufverhandlungen (es wurde uns suggeriert, das Haus sei bereits leer bzw. die Mietenden gekündigt), führte der Weg nun dahin, dass die bunte butze den letzten Mietenden kündigen wird müssen. Wesentlicher Teil des Hauskonzepts ist die Verbindung eines Nahrungsmittelgewerbes, dessen Räume zugleich – in der Mittagspause – von einem Coworkingspace und einer Kinderbetreuung genutzt werden können und so erfolgreich Synergien genutzt werden, um weniger Ressourcen zu verbrauchen. Für dieses Konzept gab die GLS Bank das Geld – und eine Abänderung unter Wahrung der bestehenden Mieterstruktur kann nicht erfolgreich funktionieren – und würde damit das Ziel verfehlen. Damit würde das Gebäude dann der Bank zufallen und weiterverkauft werden, das Konzept könnte nicht umgesetzt und im worst case: das Haus nicht erhalten werden. Darum muss leider der Frisör ausziehen.

Anliegen des butzeKerns ist es aber, den Vorgang zu transparent wie möglich zu gestalten. Deshalb sind wir bereits vor offiziellem Grundbucheintrag bei dem Geschäft vorbei gegangen, um ein erstes Gespräch zu führen, aufzuklären und ggf. gemeinsam nach Lösungen zu suchen. In dieser Form werden wir uns weiterhin um einen friedlichen Prozess bemühen.

Warum arbeitet ihr nicht mit dem Mietshäusersyndikat zusammen?

Nachdem der butzeKern zunächst die Grundvorstellungen an einem Hausprojekt miteinander abgeklopft habt (Seid ihr wirklich bereit, Zeit und Kraft in ein mehrere Jahre dauerndes Projekt zu investieren? Was ist für euch das Wichtigste an einem Hausprojekt? Worauf könntet ihr verzichten? Wo steht euer Traum und wie sieht er aus? etc.), keimten die ersten Vorschläge der Umsetzung – und nebendran sprossen die ungeklärten Fragen. Eine dieser Fragen war auch für uns: “Wollen wir mit dem Mietshäusersyndikat (MHS) zusammenarbeiten?”. Als wir uns die Frage stellten, gab es vor Ort noch keine offiziellen Syndikatsberater*innen – so recherchierten wir die wesentlichen Aspekte des bundesweiten Projekts selbst und befragten auch Erfahrene anderer Hausgemeinschaftsprojekte. Zwei Gründe sprachen letztlich gegen einen Einstieg in das Netzwerk des MHS: dass wir das Haus nicht doch noch irgendwann anders betreiben wollen oder gar andere Nutzungsideen in Betracht kommen erschien uns nicht ausgeschlossen. Und da passt unser Vorhaben dann nicht gut ein in das Syndikat, das einen Verkauf ausschließt oder nur mit Zustimmung dieses bundesweiten Netzwerks ermöglicht. Aber auch hier hätten wir eine Verhandlung mit den Verantwortlichen des Syndikatprojekts nicht ausgeschlossen. Dazwischen kam dann der zweite Grund: das MHS hatte einen Aufnahmestop genau zu dem Zeitpunkt, da wir die Aufnahme gebraucht hätten. Bereits viele neue Projekte waren gerade erst dem Netzwerk beigetreten, u.a. auch das Gemeinschaftsprojekt uncrowd aus Magdeburg.

Was passiert als nächstes?

Nach dem notariellen Hauskauf stand vor allem auf dem Plan, die ersten Bauplanungen und Gespräche stattfinden zu lassen. Außerdem musste der erste große Hauskredit unterschrieben und die Zahlung der Kaufsumme veranlasst werden. Die GmbH war dann bereits eingetragen, noch immer lässt der Eintrag im Grundbuch auf sich warten. Das dauert aber auch, sagen Erfahrene. Nach Schlüsselübergabe fanden einige kleine Arbeitseinsätze in der bunten butze statt, um die Wohnungen zu beräumen, zu säubern und für eine Zwischenvermietung vorzubereiten. Nun fehlen noch Möbel, die zusammengesucht werden. Mit dem International Office der Otto von Guericke Universität sind bereits erste Absprachen getroffen, die ersten WG-Zimmer Anzeigen sind online.

Zwischenvermietet wird voraussichtlich bis Anfang 2021 – dann beginnt die erste große Bauphase. Bis dahin haben wir dann auch wirklich die Antworten auf Bauvoranfrage, Bauanträge, stehen die konkreten Arbeitspläne für die verschiedenen Gewerke, mit denen wir zusammenarbeiten werden.

Wie funktioniert die Mitbestimmung in der Umsetzung?

Noch ist die bunte butze eine GmbH. In dieser Zeit bildet der butzeKern ab Eintragung ins Handelsregister die Gesellschafter*innenversammlung. Diese trifft alle basalen Richtungsentscheidungen – wie z.B. die Auswahl des*der Architekt*in, die konkreten Sanierungsschritte, wer welche Rechten und welche Pflichten hat. Sobald die Sanierung ihren Gang geht und spätestens wenn die ersten Wohnungen vermietbar sind, wird die Versammlung einen Verein gründen, in dem alle Mietenden zusammengeschlossen sind und gemeinsam mit einer Stimme an den Entwicklungsentscheidungen beteiligt werden.

Wahrscheinlich ist aber, dass bereits vor dem Termin zur Vereinsgründung die bunte butze in die Rechtsform der Genossenschaft überführt wird.