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28. Juni 2020

Arbeit und Familie

Statt einen Einblick in das Tagesgeschehen der bunten butze zu geben, soll dieser Beitrag einen Blick auf die Zukunft werfen. Gleichzeitig ist dieser Blick einer, der zu den entferntesten Anfängen des gemeinsamen Projekts führt. Als sich der butzeKern noch nicht als Kern verstand, als im Freundeskreis zum ersten Mal der Gedanke an ein gemeinsames Hausprojekt an die Bewusstseinsklippen gespült wurde (und zunächst schnell wieder untertauchte), da tauchte eine Idee auf, die unter dem Schlagwort “co-working toddler” firmierte. Gemeint war die Frage, warum eigentlich Familie und Karriere Gegensätze bleiben müssten.

Eben jener Freundeskreis ist einer, für den Kindererziehung und Familienalltag als ein zwischen den Partnern zu behandelndes Thema verstanden wird. Der Anspruch ist: Gleichberechtigung. Viele Menschen in unserem Umfeld beschäftigen sich mit feministischen Fragestellungen, weitere schauen auf die Herausforderung eher aus einem pragmatischen Blickwinkel und noch andere wollen vor allem ein solidarisches und kollegiales Miteinander (sofern dieser Begriff in einer Familie passt). Aus welchem Kontext auch immer die Menschen kommen, sie alle scheitern mitunter an dem Komplex, nach Schwangerschaft und Elternzeit in einer für ihre beruflichen Ansprüche passenden Art wieder einzusteigen. Für manche liegt dies an organisatorischen Aspekten (Fahrzeiten, Arbeitszeiten und erwartete Anwesenheiten, Dienstreisen), weitere fühlen sich getrieben von eigenen wie fremden Ansprüchen und noch andere stoßen an Grenzen im Umgang und in Verhandlungen über Machbarkeiten mit Vorgesetzten und Kolleg*innen.

Wenngleich öffentliche Stellen Formen der “Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf” bewerben (ein Farce übrigens das Elterngeld plus! Wer während der Elternzeit wieder einsteigt, bekommt nicht gestrecktes Elterngeld, sondern einfach weniger – es ist wie die Grundsicherung/Hartz IV; in beiden werden Einkünfte derart  angerechnet und damit faktisch von der Solidarischen Hilfe abgezogen; und das ab einem monatlichen Zusatzeinkommen, das diesen Namen nicht verdient, so gering ist es.), so bleibt die Realität doch oft dahinter zurück und müssen sich selbst aufgeklärteste Kernfamilien von ihren Idealen lösen und pragmatische Anpassungen vornehmen. Oft gehen diese Anpassungen mit geringeren Arbeitszeiten (als gewünscht) einher, oder mit Verantwortungseinbußen oder aber mit emotionalen Rückstellungen (im schlimmsten Fall: gegenüber dem eigenen Kind, das – oft noch sehr klein – die plötzlichen drastischen Veränderungen am wenigsten begreift).

 

… Genug Kritik.

Die Idee, die Andrin aus dem Biotop in eines unserer Gespräche mitbrachte, war ein Konzept, so einfach wie genial. Natürlich würde es nicht alle Probleme lösen; aber dass eine solche Idee nicht schon längst in mehreren Modellvorhaben umgesetzt worden sein sollte, war schwer nachvollziehbar. Ein Co-Working-Space, gedacht nicht nur für (wie üblich) Freiberufliche, sondern auch für Angestellte. In unmittelbarer Umgebung zu diesem, eine Kinderbetreuung für die Allerkleinsten, also eine private Tagespflege. Was sich manch große bis riesige Unternehmen (wie Bosch oder Apple) leisten, weil es die Motivation der Angestellten massiv fördert, sollte doch auch im kleineren Rahmen machbar und erfolgreich sein.

Diese Idee fand im Gespräch derart viel Zuspruch, dass – ohne dass wir es wussten – ein wesentlicher Teil unseres Finanzierungskonzepts geboren war. Nur wollten wir auch hier nicht stehen bleiben. So sehr Kindertagespflegen schon allein aus sozialen Gründen zu unterstützen sind, so trieb uns doch eine zweite Frage um: was geschieht mit den Räumlichkeiten nach dem Betriebsende der Kita UND ist es nicht Platzverschwendung, wenn sowohl der Co-Working Space als auch die Kindertagespflege jeweils Möglichkeiten zum Essen einnehmen haben sollen, die sonst gar nicht zu den wesentlichen Räumen des Geschäftsbetriebs gehören? Die erste Frage haben wir verschoben – derlei sollte niemals ohne die konkreten Betreibenden entschieden werden, aber die zweite Frage schien uns verhandelbar. Und so landeten wir sehr schnell und einfach bei der Idee, für den Co-Working Space sowie die Kinderbetreuung einen gemeinsamen Raum zu schaffen, der den hygienischen Bedingungen standhalten und Synergieffekte nutzen kann: eine gemeinsame Küche.

Auch hier noch bedarf die Idee weiterer Schleifprozesse. Viele Fragen sind noch offen. Wer kocht? Oder lassen wir liefern? Wer ist das Personal für den Küchenbetrieb? Können auch hier Synergien genutzt werden? Kann eine Küche für den Co-Working-Space auch Platz für die After-Work-Hour bieten und wenn ja, wie? Erhalten die Mietenden des Co-Working dann selbst einen Schlüssel zur Küche oder müssen sie sich an bestimmte Öffnungszeiten halten? Wie können wir hier weiter Services bieten, die vielleicht sogar durch alle Akteure des Hauses gemeinsam verantwortet werden? Wie schaffen wir es, auch den Co-Working-Space-Mietenden ein Gefühl für das ganze Haus zu geben? Können wir für die Kindertagespflege noch schöne Angebote in der unmittelbaren Umgebung des Hauses schaffen? Können wir die Bestimmungen der Verordnung für den Kitabetrieb einhalten? Welche Herausforderungen kommen dort noch auf uns zu?

Mit dem Jugendamt der Stadt Magdeburg sind wir zumindest bereits in einem ersten Gespräch. Wir freuen uns auf einen ersten Termin zur Begehung. Auch Tagesmütter haben wir gefunden, die die Idee unseres Konzepts mittragen und nun dabie unterstützen, den Bauantrag für den Kitabereich fertig zu stellen. Wir sind gespannt, wie sich der erste Rahmen nun mit Farben und Formen füllen wird.